Ist ein Inhaltsstoff weiter vorn in der INCI-Liste immer höher dosiert? Nicht unbedingt. Inhaltsstoffe mit weniger als 1 % dürfen nach den Inhaltsstoffen über 1 % in beliebiger Reihenfolge stehen. Die Position eines Inhaltsstoffs verrät weder seine genaue Konzentration noch die Wirksamkeit des Produkts.
Bei einer Körpercreme zeigt die Liste zwar, welche Stoffe enthalten sind, lässt ihre genaue Dosierung aber meist offen.
Welche Liste ist für die Reihenfolge maßgeblich?
INCI steht für die internationale Nomenklatur kosmetischer Inhaltsstoffe. Die einheitlichen Bezeichnungen machen Inhaltsstoffe auch dann erkennbar, wenn ein Pflegeprodukt in mehreren Ländern verkauft wird. Deshalb entsprechen die Namen nicht immer den deutschen Begriffen auf der Vorderseite.
Die Liste steht auf dem Behälter oder der Verpackung, meist unter „Ingredients“. Vor dem Kauf können Sie auch die Online-Produktseite nutzen. Ändert sich die Rezeptur, ist jedoch das Etikett des Produkts maßgeblich, das Sie tatsächlich in den Händen halten.
Die INCI-Liste ist nicht dasselbe wie die Auswahl an Inhaltsstoffen in der Produktbeschreibung. Die Beschreibung hebt einzelne Bestandteile hervor. Die INCI-Liste führt die Inhaltsstoffe der Rezeptur nach den geltenden Kennzeichnungsregeln auf.
Die Reihenfolge der Inhaltsstoffe verstehen, ohne Prozentsätze zu erfinden
Absteigend nach Gewicht zum Zeitpunkt der Zugabe
Artikel 19 Absatz 1 Buchstabe g der europäischen Kosmetikverordnung in seiner ursprünglichen Fassung schreibt vor, die Inhaltsstoffe nach ihrem Gewicht zum Zeitpunkt der Zugabe zum Produkt zu ordnen.
Die ersten Einträge zeigen deshalb, welche Inhaltsstoffe stärker vertreten sind. Der zweite Platz bedeutet aber nicht „20 %“. Auch aus dem vierten Platz lässt sich keine feste Dosierung ableiten.
Die Grenze bei Inhaltsstoffen unter 1 %
Im selben Artikel steht, dass Inhaltsstoffe mit einer Konzentration von weniger als 1 % nach den Inhaltsstoffen über 1 % in beliebiger Reihenfolge aufgeführt werden dürfen. Auch Farbstoffe, die nicht zum Färben der Haare bestimmt sind, dürfen nach den übrigen Inhaltsstoffen in beliebiger Reihenfolge stehen.

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An der Liste allein lässt sich nicht sicher erkennen, wo der Bereich „unter 1 %“ beginnt. Die Reihenfolge zweier Inhaltsstoffe am Ende zeigt daher nicht zuverlässig, welcher höher dosiert ist.
Ein konkretes Beispiel: Namen erkennen, Dosierungen offenlassen
Die französische Herstellerseite der Crème Hydratante Monoï, abgerufen am 2. Oktober 2026, veröffentlicht folgende Liste. Sie dient hier ausschließlich als Quelle für das Beispiel, nicht als deutsches Produktangebot:
AQUA, HELIANTHUS ANNUUS SEED OIL, GLYCERIN, BEHENYL ALCOHOL, GLYCERYL STEARATE CITRATE, PARFUM, CARBOMER, PRUNUS AMYGDALUS DULCIS OIL, SODIUM BENZOATE, SODIUM STEAROYL GLUTAMATE, POTASSIUM SORBATE, SODIUM HYDROXIDE, ANTHEMIS NOBILIS FLOWER EXTRACT, TOCOPHEROL.
Anhand der Namen lassen sich einige Stoffe zuordnen. Wo der Bereich unter 1 % beginnt und wie die dort aufgeführten Stoffe im Verhältnis zueinander dosiert sind, bleibt offen. Die genaue Rezeptur lässt sich aus der Liste nicht rekonstruieren.
| INCI-Bezeichnung | Was Sie erkennen können |
|---|---|
| Aqua | Wasser. |
| Helianthus Annuus Seed Oil | Sonnenblumenkernöl. |
| Glycerin | Glycerin. |
| Behenyl Alcohol | Ein Fettalkohol, der sich von Ethylalkohol unterscheidet. |
| Prunus Amygdalus Dulcis Oil | Süßmandelöl. |
| Anthemis Nobilis Flower Extract | Ein Blütenextrakt aus Kamille. |
| Parfum | Die Duftstoffkomposition, ohne ihre vollständige Aufschlüsselung. |
Pflanzliche Bezeichnungen enthalten häufig den botanischen Namen, den verwendeten Pflanzenteil und die Art des Inhaltsstoffs, etwa Öl oder Extrakt. „Seed Oil“ bezeichnet hier ein Samenöl, „Flower Extract“ einen Blütenextrakt. Mehr dazu erfahren Sie in unserem Beitrag über pflanzliche Öle in der Körperpflege.
Beim Wort „Alcohol“ lohnt sich ein genauer Blick: Behenyl Alcohol ist ein Fettalkohol. Sein Vorkommen bedeutet nicht, dass die Rezeptur Ethylalkohol enthält.
Was die Liste nicht aussagt
Ein Inhaltsstoff am Ende der Liste ist nicht automatisch nutzlos. Ein Inhaltsstoff an erster Stelle garantiert ebenfalls kein bestimmtes Ergebnis. Was der Begriff Wirkstoff bedeutet und wie er sich von der bloßen Nennung auf einem Etikett unterscheidet, erläutert unser Beitrag dazu, was ein kosmetischer Wirkstoff ist.
Aus der Liste lässt sich auch nicht ablesen, wie sich die Pflege auf der Haut anfühlt, wie schnell sie einzieht oder ob Sie sie persönlich vertragen. Achten Sie bei solchen Aussagen darauf, worauf sie beruhen: auf Angaben des Herstellers, auf Ergebnissen mit dem fertigen Produkt oder auf Ihrer eigenen Anwendungserfahrung.
Im genannten Beispiel lässt sich aus dem Namen „Monoï“ kein Monoï-Öl in der Rezeptur ableiten. Die Herstellerseite spricht von einem Monoï-Duft. Der Produktname gibt hier also nicht die Zusammensetzung wieder.
Eine INCI-Liste belegt auch keine Versprechen zur Figurformung oder Gewichtsabnahme. Diese Frage behandelt unser Beitrag über die Versprechen von Körpercremes.
FAQ: zwei häufige Fragen
Ist eine kurze Liste automatisch besser?
Nein. Die Anzahl der Inhaltsstoffe sagt nicht aus, wie gut eine Pflege wirkt oder wie verträglich sie ist. Auch ihre Qualität lässt sich nicht allein an der Länge der Liste beurteilen.
Kann man zwei Pflegeprodukte anhand ihrer INCI-Listen vergleichen?
Sie können erkennen, welche Inhaltsstoffe beide Produkte enthalten und worin sich die Listen unterscheiden. Genaue Dosierungen oder eine Rangfolge nach Wirksamkeit lassen sich daraus nicht ableiten. Gerade bei Inhaltsstoffen unter 1 % ist eine andere Reihenfolge kein Beleg für eine höhere oder niedrigere Dosierung. Verwenden Sie für den Vergleich die aktuellen Listen und prüfen Sie Anwendung und Hinweise zu jedem Produkt gesondert.

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